Binger Kulturufer - Vom Industriehafen zum Welterbe-Hotspot

Wo Nahe und Rhein zusammenfließen, zeigt Bingen, wie erfolgreiche Stadtentwicklung brachliegende Flächen völlig neu beleben kann

09. Mai 2026
Binger Kulturufer - Vom Industriehafen zum Welterbe-Hotspot

Fotos: Dominik Ketz / Rheinhessen-Touristik

Früher standen hier Kräne. Gleise durchzogen das Gelände, es roch nach Öl und Rost, und der Rhein war Arbeitsplatz, nicht Aussichtspunkt. Wer heute über das Binger Kulturufer flaniert, muss sich das erst in Erinnerung rufen – denn was geblieben ist, wirkt, als wäre es immer so gewesen. 

Beginnend am Zusammenfluss von Nahe und Rhein, erstreckt sich das Kulturufer auf drei Kilometern Länge flussabwärts. Was vor der Landesgartenschau 2008 Hafenanlagen und Industriebrachen waren, ist heute Promenade, Park und Veranstaltungsort – und offizielles Tor zum UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal. Die Verwandlung war radikal. Aber sie hat die Spuren der Vergangenheit nicht getilgt, sondern eingebaut. Genau darin liegt der Unterschied zu vielen anderen Stadtentwicklungsprojekten: Bingen hat nicht neu gebaut, sondern neu gedacht. 

Ein alter Industriekran steht noch immer am Ufer, weithin sichtbar, fast schon skulptural. Daneben das Museum am Strom – untergebracht im denkmalgeschützten Gebäude des ersten städtischen Elektrizitätswerks von 1898. Drinnen: römische Arztinstrumente, Exponate zur Gelehrten Hildegard von Bingen, 2000 Jahre Stadtgeschichte zwischen Industriebackstein und Rheinblick. Wer das Museum betritt, bemerkt schnell, dass Bingen nicht erst seit der Landesgartenschau eine Geschichte hat. Die Stadt war Römerstandort, Handelsplatz, Bischofssitz – und immer auch ein Ort, an dem Menschen den Rhein nicht nur betrachteten, sondern von ihm lebten. 

Das Historische Museum am Strom in Bingen informiert in seiner Ausstellung unter anderem über Hildegard von Bingen, die zu den einflussreichsten und bekanntesten Persönlichkeiten des Mittelalters zählte.
Das Historische Museum am Strom in Bingen informiert in seiner Ausstellung unter anderem über Hildegard von Bingen, die zu den einflussreichsten und bekanntesten Persönlichkeiten des Mittelalters zählte.

Weiter flussabwärts öffnet sich der Park am Mäuseturm. Wo früher das Eisenbahnbetriebswerk des Binger Hauptbahnhofs stand, liegen heute Skaterbahnen und Spielplätze. Die naturbelassenen Uferzonen, betreut vom NABU, bieten wichtige Rückzugsräume für Graureiher und zahlreiche andere heimische Vogelarten. Die alte Waggon-Ausbesserungshalle steht noch–und dient heute als Ausstellungs- und Veranstaltungsort. An Sommerwochenenden sitzen hier Familien auf den Wiesen, Kinder fahren Rad auf den alten Gleisachsen, und wer genau hinschaut, entdeckt im Boden noch die Umrisse der alten Fundamente. 

Der Blick vom Ufer gehört zu den schönsten entlang des Mittelrheins. Auf der anderen Seite Rüdesheim, dahinter die Rebhänge des Rheingaus, und wer Glück hat, sieht die Sonne hinter dem Niederwalddenkmal untergehen. Es ist diese Kulisse, die das Kulturufer nicht nur für Einheimische, sondern auch für Besucher aus der gesamten Region so attraktiv macht. 

Radfahrer auf dem Rheinradweg legen hier eine Pause ein. Wanderer, die auf dem Rheinburgenweg unterwegs sind, lassen den Tag ausklingen. Und Tagestouristen aus dem Rhein-Main-Gebiet, für die Bingen gut eine Stunde Fahrt bedeutet, haben das Ufer längst als Ausflugsziel entdeckt. 

Im Sommer gehört das Kulturufer zu den lebendigsten Orten am Mittelrhein. Beim internationalen Jazzfestival „Bingen swingt“ füllt sich die Promenade Mitte Juni noch einmal mit Musik und Menschen – das Festival feiert 2026 sein großes Finale. Den Höhepunkt setzt am 4. Juli 2026 das Spektakel Rhein in Flammen: Winzer, Livebands und DJs entlang der gesamten Promenade, und gegen 23 Uhr das Feuerwerk zwischen Bingen und Rüdesheim – von der alten Hafenmauer aus gesehen, mit dem Rhein davor und dem Himmel dahinter. Ein Abend, den man so schnell nicht vergisst. red

Info

Lage & Anfahrt: Das Binger Kulturufer erstreckt sich vom Rhein-Nahe-Eck (Nähe Bingen Hauptbahnhof) rund 3 Kilometer flussabwärts. Entlang der Strecke gibt es mehrere kostenfreie Parkplätze.

Museum am Strom: Museumstraße 3, 55411 Bingen am Rhein. Weitere Infos zu Öffnungszeiten unter www.bingen.de.

Veranstaltungs-Highlights 2026:
bis 14. Juni 2026: Großes Finale des Jazzfestivals „Bingen swingt“ Juli 2026: „Rhein in Flammen“ (Landprogramm am Ufer und Feuerwerk)

Weitere Informationen:
www.bingen.de/tourismus