Abschied in Bewegung

Wandern, Pilgern und Gehen als Teil der Trauerarbeit

31. Dezember 2025
Abschied in Bewegung

Der Jakobsweg steht für Aufbruch und innere Einkehr. Foto: Sven Lägler - stock.adobe.com

Trauer braucht Bewegung – nicht im übertragenen, sondern im wörtlichen Sinn. Viele Menschen, die einen Verlust erlebt haben, berichten, dass ihnen das Gehen geholfen hat, Ordnung in Gedanken und Gefühle zu bringen. Bewegung schafft Abstand und ermöglicht, das Geschehene innerlich zu verarbeiten.

Schritt für Schritt durch eine schwierige Zeit

Pilgerwege, stille Spaziergänge oder begleitete Trauerwanderungen bieten die Möglichkeit, körperliche Aktivität und seelische Reflexion zu verbinden. Der gleichmäßige Rhythmus des Gehens beruhigt, die Umgebung verändert sich langsam, und mit ihr auch die Wahrnehmung. Wo Worte fehlen, entsteht Raum für Stille.

Trauerbegleiter und Seelsorger nutzen dieses Prinzip zunehmend bewusst. Einige Hospizvereine und Kirchengemeinden bieten „Trauerwege“ oder „Pilgern für die Seele“ an – mehrstündige Wanderungen, die nicht sportlichen Ehrgeiz, sondern Begegnung und Austausch in den Mittelpunkt stellen. Im Gehen lösen sich starre Gedanken und Gespräche fallen leichter.

Bewegung als Struktur

Trauer verändert den Alltag. Gewohnte Abläufe brechen weg, Orientierung geht verloren. Regelmäßiges Gehen kann helfen, wieder Struktur zu finden. Wer täglich denselben Weg geht – durch den Wald, am Fluss entlang, auf dem Friedhof – erlebt Verlässlichkeit. Der Körper kommt zur Ruhe und das Gedankenkarussell verlangsamt sich. Manche Trauernde führen ein kleines Notizbuch mit sich, um Eindrücke festzuhalten oder Gedanken zu ordnen.

Pilgern als bewusster Prozess

Das Pilgern unterscheidet sich vom Spaziergang durch seine Zielgerichtetheit. Es verbindet äußere Bewegung mit innerer Suche. Menschen, die sich auf einen Pilgerweg begeben, tun dies oft nach einer Verlusterfahrung. Die körperliche Anstrengung wird zum Symbol für den Weg, den man innerlich gehen muss, um Abschied zu akzeptieren. Ob auf dem Jakobsweg, auf regionalen Pilgerpfaden oder bei kürzeren Routen in der Nähe – entscheidend ist nicht die Distanz. Gehen bietet die Möglichkeit, Gedanken ohne Bewertung ziehen zu lassen, die Natur als Resonanzraum zu erleben und neue Perspektiven zu gewinnen. Der Weg selbst wird zum Begleiter – einer, der Schritt für Schritt weiterführt.