Name, dazu Menschen, die mehr fühlen, als sie zugeben können: Mit „Was ihr wollt“ hat Shakespeares Verwechslungskomödie am 20. Juni bei den Burgfestspielen Mayen Premiere gefeiert. Ort des Premierenabends war die Hauptbühne an der Herz-Jesu-Kirche. Hinter den Figuren ragten Bögen, Stein, Säulen und Kirchenfenster auf; davor lag ein helles, fast wasserblaues Spielfeld. So bekam Illyrien, jener Fantasieort voller Sehnsucht und Verwechslung, in Mayen eine eigene Farbe.
Regisseur Matze Vogel erzählt Shakespeares Komödie in einer eigenen Fassung. Viola überlebt einen Sturm, glaubt ihren Zwillingsbruder verloren und tritt als Mann verkleidet in den Dienst des Herzogs Orsino. Der schwärmt für Olivia. Viola soll vermitteln, verliebt sich dabei selbst in Orsino, während Olivia ausgerechnet für Violas Tarnfigur entflammt. Das klingt nach leichter Komödie, hat aber auch einen ernsten Kern: Wer bin ich, wenn ich eine Rolle spiele? Und was bleibt von der Liebe, wenn sie dauernd an die falsche Tür klopft?

Die Mayener Inszenierung sucht den Witz nicht im groben Klamauk. Sie lebt von Tempo, Blicken, kleinen Übertreibungen und dem Mut, Shakespeares Figuren nah an die Gegenwart zu rücken. Pastellfarbene Kostüme, Glanz, Perücken, nackte Füße auf blauem Boden und eine Jukebox als knalliger Farbtupfer geben dem Abend etwas leicht Verschrobenes. Hier wird nicht historisch abgestaubt. Hier irren Menschen durch ihre Wünsche, mal elegant, mal unbeholfen, oft sehr komisch. Zum Ensemble gehören Franziska Beyer, Maria Sommer, Jakob Maria Fecht, Martin Geisen, Christian Miedreich und Sebastian Muskalla.
Nach dieser Premiere richtet sich der Blick bereits auf den nächsten großen Abend des Festspielsommers. Am 4. Juli kommt „Die Zauberflöte“ heraus, in Mayen nicht als klassische Oper, sondern als Schauspiel mit Musik von Lukas Schrenk und Nils Strunk nach Mozart und Emanuel Schikaneder. Die Fassung fragt, wie dieser berühmte Stoff heute klingen könnte. Bekannte Melodien treffen auf neue Texte, Märchenmotive auf Gegenwart, Papageno-Geist auf Pop. Im Mittelpunkt steht eine Theatertruppe, die mit Mozarts Klassiker ihr Publikum zurückgewinnen will. Daraus entsteht ein Spiel mit Prüfungen, Macht, Liebe, Zauber und der Frage, wem man eigentlich glauben darf, wenn alle ihre eigene Wahrheit behaupten. Inszeniert wird „Die Zauberflöte“ von Thomas Maria Peters, die musikalische Leitung hat David Lentes.
Beide Produktionen begleiten das Publikum von Juni bis Ende August durch den Mayener Theatersommer. Karten gibt es online über den Ticketshop der Burgfestspiele Mayen unter www.burgfestspiele-mayen.de, per Mail an tickets@touristikcenter-mayen.de, telefonisch unter 02651/494942 sowie vor Ort im Reisebüro Bell, Rosengasse 5, in Mayen.
