Trauer findet nicht nur zu Hause oder im Gesprächszimmer statt. Manchen Menschen fällt es leichter, über einen Verlust zu sprechen, wenn sie unterwegs sind. Andere suchen gezielt die Begegnung mit Menschen, die Ähnliches erlebt haben. Neben Trauercafés und Einzelbegleitung gibt es deshalb Spaziergänge, mehrtägige Trauerreisen und spezielle Gruppenangebote.
Reden beim Gehen
Trauerspaziergänge verbinden Bewegung mit Begegnung. Niemand muss dabei ununterbrochen erzählen. Beim gemeinsamen Gehen entstehen Gesprächspausen von selbst, und auch Schweigen kann dazugehören. Solche Angebote organisieren unter anderem Hospizvereine und Trauerbegleiter.
Ein Beispiel aus der Region sind die „Ge(h)spräche“ des Koblenzer Hospizvereins. Jeden ersten Sonntag im Monat treffen sich Trauernde am Rhein zu einem etwa einstündigen Spaziergang. Zwei Trauerbegleiter begleiten die Gruppe, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Gerade diese unkomplizierte Form kann Menschen ansprechen, die sich zunächst nicht für eine feste Gruppe entscheiden möchten.
Für einige Tage heraus aus dem Alltag

Noch weiter gehen sogenannte Trauerreisen. Dahinter stehen mehrtägige Auszeiten, die speziell für Menschen nach einem Verlust angeboten werden. Reise, Gemeinschaft und Trauerbegleitung werden dabei miteinander verbunden. Zum Programm können Gespräche, Wanderungen und Zeit zur eigenen Gestaltung gehören.
Solche Angebote gibt es auch in der Region. Der Neuwieder Hospizverein organisiert Auszeitreisen und -wochenenden für Menschen nach einem Verlust. Mehrtägige Reisen führten beispielsweise nach Winterberg, 2026 wurde zudem ein Auszeitwochenende in Vallendar angeboten. Begleitet werden die Teilnehmer von erfahrenen Trauerbegleitern. Der Ortswechsel soll dabei nicht vom Verlust ablenken, sondern Raum schaffen, sich außerhalb des gewohnten Alltags mit der veränderten Lebenssituation auseinanderzusetzen.
Menschen treffen, die Ähnliches kennen
Besonders wichtig kann ein gezielter Austausch sein, wenn der Verlust von Außenstehenden nur schwer nachzuempfinden ist. Für Eltern, deren Kind gestorben ist, und für trauernde Geschwister bestehen deshalb eigene Selbsthilfeangebote. Der Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland vermittelt Kontakte und organisiert Veranstaltungen. Dazu gehören Trauerwochenenden ebenso wie digitale Treffen. Im August 2026 fand beispielsweise ein Online-Austausch speziell für trauernde Geschwister statt.
Solche digitalen Angebote können hilfreich sein, wenn es in der eigenen Umgebung keine passende Gruppe gibt oder der erste Kontakt von zu Hause leichter fällt. Wer Unterstützung sucht, muss sich dabei nicht für ein bestimmtes Format entscheiden. Ein Spaziergang kann ebenso der Anfang sein wie eine Selbsthilfegruppe, ein Online-Treffen oder eine mehrtägige Auszeit.
Trauer verläuft bei jedem Menschen anders. Bleibt die Belastung über längere Zeit sehr stark und schränkt Alltag oder Beruf erheblich ein, kann zusätzlich psychotherapeutische Unterstützung sinnvoll sein. Trauerbegleitung, Selbsthilfe und therapeutische Behandlung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Entscheidend ist, ein Angebot zu finden, das zur eigenen Situation und zum persönlichen Bedarf passt. red
Hilfe und Austausch in der Region
- Koblenzer Hospizverein:
Trauersprechstunden, Einzelbegleitung, Gesprächskreis, Trauercafé und die monatlichen „Ge(h)spräche“ am Rhein gehören zum Angebot. Für den Spaziergang ist keine Anmeldung erforderlich.
Internet: www.hospizinkoblenz.de
- Hospiz e. V. Region Mayen:
Der Hospizverein bietet unter anderem Spaziergänge für Menschen nach einem Verlust an. Die Termine für das zweite Halbjahr 2026 sind auf der Internetseite veröffentlicht.
Internet: www.hospizverein-mayen.de
- Neuwieder Hospizverein:
Zum Programm gehören Trauerangebote für unterschiedliche Alters- und Lebenssituationen. 2026 gibt es unter anderem ein Trauercafé, eine Gruppe für Eltern von Sternenkindern, Angebote für Kinder sowie die Gruppe „Wegstück“ für junge Erwachsene.
Internet: www.neuwieder-hospiz.de
- Verwaiste Eltern in Koblenz und Andernach:
Im Großraum Koblenz trifft sich monatlich eine offene, begleitete Gruppe für Eltern, deren Kind gestorben ist. In Andernach besteht die Selbsthilfegruppe „Leben ohne Dich“ für verwaiste Eltern und erwachsene Geschwister. Beide Angebote werden auf den Seiten des Bistums Trier aufgeführt.
Internet: www.bistum-trier.de
Trauerangebote für Eltern
