
Wie haben Sie den Moment erlebt, als klar wurde, dass Sie die neuen Koblenzer Tollitäten werden?
Prinz: Einen einzelnen „magischen Moment“ gab es bei uns gar nicht. In Kesselheim bei den KC Kapuzemännern werden die Tollitäten von den Vereinsmitgliedern gewählt. 2022 fand die Abstimmung statt – und da wir jeweils die einzigen Kandidaten waren, war das Ergebnis wenig überraschend.
Confluentia: Wichtig ist vor allem, dass es harmoniert zwischen Prinz und Confluentia. Oli und ich kennen uns seit vielen Jahren und wir hatten von Anfang an das Gefühl, dass wir als Prinz und Confluentia perfekt zusammenpassen.
Was bedeutet das Amt für Sie persönlich?
Prinz: Ich bin seit 1986 aktiv im Karneval. Da war ich 14. Wirklich klar war es für mich in der Session 2001 – damals war ich als Mundschenk im Gefolge. Da dachte ich: Wenn wir das in Kesselheim nochmal hinbekommen, dann nur als Prinz.
Confluentia: Ich bin seit meinem sechsten Lebensjahr im Karneval aktiv. Da war ich bei meinem Patenonkel mit auf dem Karnevalswagen als Funkenmariechen. Seit über 20 Jahren tanze ich bei den Kesselheimer Kapuzemänner und seit knapp 17 Jahren trainiere ich die Großen Funken. Für mich ist das Amt der Confluentia das höchste Ziel, das man erreichen kann. Es fühlt sich magisch an – noch schöner, als ich es mir vorgestellt hatte.
Wie war der 11.11. für Sie?
Confluentia: Ein echter Gänsehautmoment.
Prinz: Vor dreieinhalbtausend Leuten auf der Bühne zu stehen, in die bunten Massen zu schauen – beeindruckend. Wenn man dann noch den eigenen Verein unten sieht, wie alle hinter einem stehen, dann muss ich heute noch grinsen.


Worauf freuen bzw. haben Sie sich besonders in der Session gefreut?
Confluentia: Wir durften bisher so viele tolle Momente erleben, dass man sich gar nicht genau festlegen kann – und wir freuen uns auf alle kommenden Veranstaltungen. Besondere Höhepunkte waren aber sicherlich unsere Inthronisation sowie unsere eigenen Sitzungen.
Prinz: Eigentlich auf jede Veranstaltung – bisher war jeder Termin ein Highlight.
Ist auch schon mal etwas schiefgelaufen?
Confluentia: Natürlich (und lacht). Mein Blumenstrauß hat schon mal Feuer gefangen und gebrannt. Den hat meine Adjudantin geistesgewärtig gelöscht.
Prinz: Und ich vergesse schon mal was (und lacht ebenfalls). Einmal meine Hose zum Fototermin und das andere Mal meinen Fähnrich. Erst als ich in der Hofburg war und die Fahne ansah, fiel mir auf, dass mein Sohn – unser Fähnrich – noch im Bett lag.
Wie sehr verändert das Amt Ihren Alltag?
Prinz: Es ist sehr zeitintensiv! Wir haben kaum Zeit für andere Sachen. Wir sparen für die Session unseren Urlaub an. Ab Januar gibt es praktisch keinen freien Tag mehr. Zum Glück unterstützen meine Frau und meine Familie mich, wo sie nur können. Meine Frau war selbst mal im Gefolge. Die wissen genau, was es bedeutet, Prinz zu sein.
Confluentia: Ich habe zwei kleine Kinder. Ohne Omas, Opas und meinen Mann wäre es nicht möglich. Zum Glück sind inzwischen alle uniformiert – selbst der Dreijährige will schon mitlaufen. Und meine siebenjährige Tochter ist voll im Karnevalsfieber. In diesem Jahr ist sie erstmalig Solomariechen bei uns im Verein.
Was bedeutet der Karneval für Sie persönlich?
Prinz: Es ist mein größtes Hobby – und ein Stück meines Lebens. Seit 18 Jahren bin ich Vereinsvorsitzender. Das ist ein Ganzjahresjob.
Confluentia: Für mich steht Karneval für Freundschaft, Gemeinschaft und Tradition – aber auch für Wandel. Unsere Jugend bringt viele frische Ideen ein, doch auch das Altbewährte bleibt erhalten.
So entsteht eine wunderbare Mischung aus Jung und Alt, ein Zusammenspiel, dass den Karneval so besonders macht. Und ganz klar: Der Spaß steht an oberster Stelle.
Wie erleben Sie den Einsatz der Ehrenamtlichen?
Prinz: Ohne Ehrenamt geht in Koblenz gar nichts. Das ist eine unserer Besonderheiten.
Confluentia: Wir haben enormen Zuwachs – vor allem in der Jugendarbeit. Alle helfen mit, und das schweißt zusammen.
Was macht den Koblenzer Karneval für Sie einzigartig?
Prinz: Der Zusammenhalt – nicht nur im eigenen Verein, sondern über alle Vereinsgrenzen hinweg. Außerdem: Wir haben keinen hauptamtlichen Karneval. Alles passiert ehrenamtlich, das ist in Köln oder Mainz ganz anders.
Confluentia: Das Besondere ist, dass jedes Jahr ein anderer Verein die Chance erhält, das Tollitätenpaar der Stadt Koblenz zu stellen. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit unserem wundervollen Gefolge die Stadt Koblenz zu repräsentieren – und natürlich mit der starken Unterstützung der Ortsvereine unseres Stadtteils Koblenz-Kesselheim.
Ein Tollitätenjahr ist aber nicht nur emotional, sondern auch organisatorisch und finanziell anspruchsvoll. Mit welchen Kosten muss ein Verein rechnen?
Prinz: Das ist ein Punkt, den viele unterschätzen. Für unseren Verein liegt das Budget bei rund 100.000 Euro. Rechnet man alles zusammen – also Veranstaltungen, Ausstattung, Wurfmaterial, Logistik – bewegen sich Tollitätenjahre schnell in einer Größenordnung von 150.000 bis 200.000 Euro. All dies ist nur Dank unserer Sponsoren und der Unterstützung der AKK möglich.
Confluentia: Das Geld fällt ja nicht einfach vom Himmel. Es steckt jahrelange Vorbereitung dahinter, Sponsorensuche, Veranstaltungen wie Glühwein- oder Sommerfeste. Alle aktiven Koblenzer Karnevalisten sind ehrenamtlich tätig, daher ist die Unterstützung durch Sponsoren besonders wichtig, um diese Mittel überhaupt aufzubringen.
Prinz: Wir sind seit über anderthalb Jahren dabei, das alles zu organisieren. Man muss früh wissen, dass man die Tollitäten der Stadt Koblenz stellt, um überhaupt planen zu können. Das ist echte Teamarbeit.
Was wünschen Sie sich für den Rosenmontagszug?
Prinz: Gutes Wetter!
Confluentia: Und viele fröhliche Menschen am Zugweg.
Ihr Wunsch für die Session?
Beide: Mit allen Koblenzerinnen, Koblenzern und Karnevalisten gemeinsam feiern – und unsere wunderschöne Tradition leben. Wir möchten zeigen, wie bunt und herzlich der Koblenzer Karneval ist – voller Gemeinschaft und Freundschaft. Und natürlich: Spaß an der Freud steht für uns an oberster Stelle! Denn genau das macht den Koblenzer Karneval aus.
Die Fragen stellte Petra Dettmer
