
Wer in den 1870er-Jahren zur Kur nach Neuenahr kam, folgte festen Regeln. Das Heilwasser wurde langsam und möglichst nüchtern getrunken. Zwischen den Gläsern lagen Pausen, die nach Möglichkeit für einen Spaziergang genutzt wurden. Je nach ärztlicher Empfehlung kamen Bäder hinzu. Jeder Kurgast besaß ein nummeriertes Trinkglas, das von Brunnenmädchen verwahrt wurde.
Das Heilwasser wurde vor Ort eingesetzt und bildete die Grundlage der Behandlung. Eine Quelle allein machte zwar noch kein Heilbad. Es brauchte auch Badeärzte und Einrichtungen, in denen die Gäste behandelt und untergebracht werden konnten. Ohne Quelle gab es jedoch keinen Kurbetrieb.
Bad Neuenahrs Erfolg weckte auch in den Nachbarorten die Hoffnung auf Kurgäste. Dass in diesem kleinen Gebiet mehrere warme Mineralquellen gefunden wurden, hängt mit Bruchlinien tief im Gestein zusammen. Dort konnte das kohlensäurehaltige Wasser aufsteigen.
Aus drei Dörfern wird ein Kurort
Den Anfang machte Georg Kreuzberg, der 1852 bei Wadenheim auf die Apollinaris-Quelle stieß.
Weitere Bohrungen folgten. Schon 1859 begann die erste Kursaison. Aus Wadenheim, Beul und Hemmessen entwickelte sich Neuenahr. Badehäuser öffneten, rund um die Quellen entstand der Kurpark. Mit der Eisenbahn wurde die Anreise ab 1880 einfacher. Nun kamen noch mehr Gäste ins Ahrtal. Der Kurbetrieb brachte Besucher, schuf Arbeit und veränderte den Ort.
In Bodendorf beginnt man zu bohren
In Bodendorf beobachtete man diese Entwicklung genau. Wenn es in Neuenahr, Heppingen und Sinzig Mineralquellen gab, warum sollte nicht auch zwischen diesen Orten eine zu finden sein? Der Landwirt und Gemeindevorsteher Josef Hardt kannte auffällige Kohlensäureaustritte auf seinen Feldern. 1899 gründete er mit zwei Partnern eine Gesellschaft und ließ bohren. Ein Jahr später stießen sie auf warmes Wasser.
Bis daraus ein Kurort wurde, dauerte es. Zunächst nutzte man die Kohlensäure. Mitte der 1920er-Jahre entstanden die ersten Badezellen und Übernachtungsmöglichkeiten. Der Ort erhielt später den Namenszusatz „Bad“, das Thermalfreibad wurde zu einem wichtigen Teil des Ortes.
Auch Niederbreisig setzte auf den Kurbetrieb. Der 1914 erbohrte Geyr-Sprudel speist noch heute die Römer-Thermen. In Kripp blieb die Geschichte kürzer: Das kleine Badehaus an der Maria-Luisen-Quelle bestand von 1934 bis etwa 1958.
Der Schwerpunkt hat sich verschoben
Bad Neuenahr und Bad Breisig sind weiterhin staatlich anerkannte Heilbäder. Bad Bodendorf besitzt das Prädikat seit 2013 nicht mehr, durfte den Namen aber behalten. Das bei der Flut schwer beschädigte Thermalfreibad ist geschlossen; ein Neubau ist geplant. In Kripp erinnern nur noch wenige Spuren an den früheren Badebetrieb.
Die klassische Kur mit strengem Trinkplan und festen Anwendungen hat gegenüber früher deutlich an Bedeutung verloren. Eine Rehabilitation begleitet Patienten weiterhin über längere Zeit, setzt aber auf moderne Medizin und therapeutisches Training. Die heutigen Kliniken sind keine direkte Fortsetzung der alten Kurbetriebe. Diese zeigen jedoch, dass organisierte Behandlung und Erholung im Kreis Ahrweiler seit fast 170 Jahren ihren Platz haben.
