





Wie steht es um den Wirtschaftsstandort Landkreis Neuwied - und was brauchen Unternehmen jetzt konkret? Im gemeinsamen Interview geben Kristina Kutting (IHK-Regionalgeschäftsführerin in Altenkirchen und Neuwied), Matthias Dahmen (Kreishandwerkerschaft RheinWesterwald), Johannes Schardt (Prokurist Syna GmbH), der Vorstand der Sparkasse Neuwied mit Thomas Paffenholz (Vorstandsvorsitzender) und Marc Sinkewitz (Vorstandsmitglied) sowie Harald Schmillen (Wirtschaftsförderung Landkreis Neuwied) Antworten zu Auftragslage, Bürokratie, Fachkräften, Netzausbau und Investitionsklima.
Kristina Kutting, IHK-Regionalgeschäftsführerin in Altenkirchen und Neuwied
Frau Kutting, die wirtschaftliche Stimmung hat sich im Frühsommer 2026 deutlich abgekühlt. Woran zeigt sich diese Eintrübung aus Ihrer Sicht konkret im Unternehmensalltag im Landkreis Neuwied?
Die aktuellen Ergebnisse zeigen eine spürbare Verschlechterung der Stimmung im Vergleich zum Jahresbeginn 2026. Der IHK-Konjunkturklimaindex ist deutlich gesunken und liegt im rezessiven Bereich. Treiber sind vor allem deutlich pessimistischere Erwartungen für die kommenden zwölf Monate.
Im Unternehmensalltag zeigt sich das in einer zunehmenden Zurückhaltung: Investitionsentscheidungen werden häufiger verschoben oder nur noch strikt auf notwendige Modernisierung, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit konzentriert. Viele Betriebe fahren stärker „auf Sicht“ und reagieren kurzfristiger - auch, weil Energie- und Rohstoffpreise sowie die unsicheren Rahmenbedingungen wieder stärker in den Fokus rücken.
Welche Faktoren belasten die Unternehmen im Kreis Neuwied im Frühsommer 2026 am stärksten - und warum?
Bei den Geschäftsrisiken hat sich der Schwerpunkt deutlich verschoben: Energie- und Rohstoffpreise rücken wieder an die Spitze und werden von einem sehr großen Teil der Betriebe als wesentliches Risiko genannt. Hinzu kommen weiterhin die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, die für viele Unternehmen Planung und Investitionen erschweren.
Auch Inlandsnachfrage und Arbeitskosten bleiben für mehr als die Hälfte der Betriebe relevante Belastungsfaktoren. In der Konsequenz entsteht eine problematische Gemengelage: Kosten- und Preisdruck trifft auf schwächere Absatzperspektiven und Unsicherheit bei Rahmenbedingungen - das bremst Investitionsbereitschaft und verengt Spielräume für Wachstum.
Der Bürokratiemelder soll Belastungen sichtbar machen. Welche Arten von Rückmeldungen kommen aus der Region besonders häufig und wo entsteht der größte Zeitverlust für Betriebe?
Aus der Region erreichen uns vor allem Rückmeldungen zu:
• langen Genehmigungs- und Abstimmungsverfahren, insbesondere bei Bau- und Erweiterungsvorhaben,
• mehrfachen, inhaltlich identischen Meldepflichten gegenüber unterschiedlichen Stellen,
• komplexen Dokumentationsanforderungen im Arbeits-, Umwelt- und Statistikbereich,
• fehlender durchgängiger Digitalisierung von Verwaltungsprozessen.
Der größte Zeitverlust entsteht dort, wo Verfahren nicht standardisiert sind oder mehrere Behörden beteiligt sind und Abstimmungen sequenziell erfolgen. Für kleine und mittlere Unternehmen bindet dies unverhältnismäßig viele personelle Ressourcen.
Das IHK-Grundsatzpapier benennt viele Handlungsfelder. Wenn Sie auf den Landkreis Neuwied schauen: Welche drei Punkte hätten für die Unternehmen hier den schnellsten spürbaren Nutzen?
Aus regionaler Sicht wären besonders wirksam
• Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren: Angesichts der hohen Investitionsbereitschaft würden schnellere Entscheidungen unmittelbar Wachstumsimpulse auslösen.
• Konsequente Verwaltungsvereinfachung und Digitalisierung: Einheitliche Schnittstellen und der Abbau von Mehrfachmeldungen würden Betriebe sofort organisatorisch entlasten.
• Praxisnahe Fachkräftesicherung: Schnellere Anerkennungsverfahren, gezielte Weiterbildung und bessere Berufsorientierung erhöhen die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte.
Diese Maßnahmen wirken direkt auf Investitionsfähigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung
