Es gibt Gegenden, die wirken, ohne sich aufzudrängen. Zwischen den Schwerkraftfelder der Ballungsräume gelegen, entfaltet sich hier auf 627 Quadratkilometern eine Wirtschaftslandschaft, die weder industrielles Pathos noch ländliche Idylle bemühen muss, um zu überzeugen. 181.429 Menschen leben in acht Verbandsgemeinden und der Stadt Neuwied - und bilden das Fundament einer Region, deren Stärke sich weniger in Superlativen, sondern mehr in solider Substanz ausdrückt.
Rückgrat Mittelstand
53.029 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte zählt das Statistische Landesamt (Stand: 31.03.2010). Hinter dieser nüchternen Zahl verbirgt sich das Bild einer bemerkenswerten Wirtschaftsstruktur. Wir reden hier von rund 10.000 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen sowie etwa 2000 Handwerksbetrieben. Was sagt uns das?
Es sind nicht die Konzerne, die hier prägend sind, sondern jene Betriebe, die zwischen zehn und 200 Beschäftigten ihren Platz behaupten. Nur wenige überschreiten die Schwelle von 500 Mitarbeitenden. Es ist der klassische Mittelstand, oft in Familienhand, der hier seine leise Dominanz entfaltet. Flexibilität, Risikobereitschaft, Schnelligkeit - das sind keine Schlagworte, sondern gelebte Praxis. Dazu kommt eine bemerkenswerte Nähe zum Markt und eine ausgeprägte Bereitschaft, in Ausbildung zu investieren. Man könnte sagen: Hier wird Zukunft nicht angekündigt, sondern gemacht.
Die Industrie als Herzstück
Der steuerpflichtige Umsatz des Landkreises Neuwied liegt bei rund 10,863 Milliarden Euro. 54,2 Prozent davon entfallen auf die Industrie - ein Anteil, der ihre Rolle als Herzstück der regionalen Wirtschaft unmissverständlich unterstreicht. Handel, Gastgewerbe und Verkehr folgen mit 27,1 Prozent, während sonstige Dienstleistungen 5,1 Prozent beitragen. Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei bleiben mit jeweils 0,4 Prozent Randnotizen in einer ansonsten klar industriell geprägten Erzählung.
Und doch ist diese Industrie keine monolithische Größe. Sie gleicht eher einem Mosaik, dessen einzelne Steine erst im Zusammenspiel ihre volle Wirkung entfalten.
Die Welt im Kleinen
Was hier entsteht, ist so vielfältig wie unauffällig - und gerade deshalb bemerkenswert. Feinbleche und Verbindungselemente für die Automobilindustrie verlassen ebenso die Werkhallen wie hochwertige Verbandsstoffe, Klebebänder oder Vliesstoffe. Maschinen zur Herstellung von Hygieneprodukten stehen neben Briefumschlagmaschinen, Hygienetüchern und Versandtaschen. Verpackungen aus Pappe und Kunststofffolien gehen von hier aus in die europäische Markenindustrie. Daneben finden sich Produkte, die auf den ersten Blick randständig wirken und doch ganze Märkte prägen. Prozessleitsysteme für die Papier- und Kunststoffindustrie, Bräunungssysteme, Saunaanlagen oder Felsdekorationen für Freizeitparks. Duschkabinen, Zahnbürsten, Straßenfräsanlagen, Kohlensäure, Kunststoff-Spritzgieẞautomaten, verschleißfeste Produkte, Fruchtsäfte, Mineralwasser, Gesundheitsschuhe und Kabelverlegungssysteme ergänzen das Spektrum.
Es ist eine Liste, die sich fortsetzen ließe - und gerade darin ihre Aussagekraft entfaltet. Der Exportanteil der heimischen Industrieunternehmen ist hoch. Viele dieser Produkte gehen in alle Welt, oft unbemerkt, getragen von Unternehmen, die sich in ihren Nischen eine stille Autorität erarbeitet haben.
Das Geflecht des Alltäglichen
Neben der Industrie wirkt ein dichtes Netz aus Einzelhandel und Großhandel. Kleine und mittlere Betriebe sichern die Versorgung, strukturieren den Alltag und setzen Akzente - sei es im Nahrungs- und Genussmittelbereich, bei Textilien und Schuhen oder in den Feldern Fahrzeuge, Büroeinrichtungen und Wohnbedarf. Der Großhandel wiederum übernimmt jene unscheinbare, aber unverzichtbare Verteilungsfunktion, die erst durch die verkehrsgünstige Lage des Kreises ihre volle Effizienz entfaltet.
Parallel dazu hat sich eine Dienstleistungslandschaft entwickelt, die weniger sichtbar, aber nicht weniger bedeutsam ist. Wirtschaftsprüfung, Beratung, technische Planung, EDV-Software, Werbung - dazu Unternehmensberatung, Büroservice und Prozessautomation. Es ist ein Geflecht von Kompetenzen, das die industrielle Basis ergänzt und zugleich unabhängig von ihr bestehen kann.
Landschaft als Gegenentwurf
Und dann ist da noch das, was sich nicht in Bilanzen fassen lässt. Der Naturpark Rhein-Westerwald beginnt dort, wo andernorts das Grau der Industrie dominieren würde. Er zieht sich durch große Teile des Kreises und bietet eine Kulisse, die eher an Rückzug als an Produktion denken lässt.
Orte wie Bad Hönningen mit seinen Thermalquellen, Linz am Rhein und Unkel mit ihren Fachwerkhäusern oder die von Wäldern umgebenen Westerwaldgemeinden erzählen von einer anderen Qualität des Lebens. Es sind zwei Perspektiven, die sich hier vereinen lassen - die der Arbeit und die der Erholung.
134.775 registrierte Gäste und 285.400 Übernachtungen im Jahr 2009 sind mehr als statistische Größen. Sie sind Ausdruck eines Tourismus, der sich nicht als Beiwerk versteht, sondern als integraler Bestandteil einer Region, die gelernt hat, ihre Gegensätze produktiv zu nutzen.
Am Ende bleibt der Eindruck eines Ortes, der sich nicht über Lautstärke definiert. Der Landkreis Neuwied ist kein Schaufenster, sondern ein Werkraum - einer, in dem die Dinge entstehen, die anderswo gebraucht werden. Und vielleicht liegt genau darin seine eigentliche Stärke. Kolja Matzke
Fachkräfte aus dem Ausland: Mit der Arbeitsagentur schneller zum Ziel
Strukturierte Verfahren, geprüfte Kandidaten und regionale Beratung erleichtern die internationale Personalgewinnung
Der Fachkräftemangel bleibt eine der größten Herausforderungen für Unternehmen. Durch den demografischen Wandel scheiden mehr Beschäftigte aus dem Arbeitsmarkt aus als nachrücken. Wirtschaftsleistung und Wohlstand Deutschlands können ohne Erwerbsmigration aus dem Ausland nicht gehalten werden. Für Unternehmen ist Erwerbsmigration damit zunehmend ein Erfolgsfaktor.
Gleichzeitig stehen Betriebe - insbesondere kleine und mittlere Unternehmen, die unsere Region prägen - beim Thema Erwerbsmigration vor praktischen Hürden: unübersichtliche und lange Rekrutierungsverfahren, seriöse und zuverlässige Bewerberauswahl über Distanz, ein intransparenter Markt an Dienstleistern, Schaffen einer Willkommenskultur und Integration der Erwerbsmigranten im Betrieb.
„Unternehmen brauchen heute vor allem eines: verlässlich planbare, zügige Prozesse in der Fachkräftegewinnung aus dem Ausland“, betont Elmar Wagner, Leiter der Agentur für Arbeit Rhein-Wied-Westerwald.
Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit bietet genau das. Sie rekrutiert im Ausland Fachkräfte, die nach Deutschland migrieren möchten. Sie überprüft die Bewerber seriös und sorgfältig, qualifiziert sie bei Bedarf sprachlich wie fachlich und bereitet sie auf die Einreise vor.
Meldet nun ein Betrieb über den örtlichen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Rhein-Wied-Westerwald einen Bedarf, kann aus diesem Bewerberpool der ZAV zeitnah eine Person einreisen. Der Arbeitgeberservice berät Betriebe vorab individuell, analysiert den Personalbedarf und begleitet sie bei allen Schritten des Rekrutierungsverfahrens - von der Stellenausschreibung bis zur Integration der Erwerbsmigranten in den Betrieb. Zudem stellt er wichtige Kontakte her, etwa zu Anerkennungsstellen oder Ausländerbehörden.
Häufig scheuen Arbeitgeber die Kosten für die Rekrutierung aus dem Ausland. „Aber unbesetzte Stellen verursachen erhebliche Opportunitätskosten, etwa durch entgangene Aufträge oder Kosten für anderweitige, häufig vergebliche Rekrutierungsversuche im Inland.
Auch deshalb muss die Rekrutierung schnell gehen. Unser umfassendes Know-how in der Erwerbsmigration ermöglicht es uns, Unternehmen passgenau durch den gesamten Prozess zu begleiten - von der ersten Idee bis zur erfolgreichen Integration der neuen Fachkraft“, so Elmar Wagner.
Erwerbsmigration ist kein Randthema mehr, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Personalstrategien. Unternehmen, die auf geprüfte Verfahren und starke Partner setzen, können Fachkräfte aus dem Ausland nicht nur schneller, sondern auch sicherer gewinnen. Weitere Informationen und Unterstützungsmöglichkeiten bietet die von der Bundesregierung getragene
Website: https://www.make-it-in-germany.com/de/unternehmen
