Ein gewöhnlicher Schulmorgen verwandelte sich in ein besonderes Erlebnis, als der bekannte Spoken-Word-Künstler Bas Böttcher die Schule besuchte. Statt Aufsatzunterricht und Literaturanalyse standen für die Deutsch-Leistungskurse der Stufen 12 und 13 des beruflichen Gymnasiums Rhythmus, Reime und Kreativität auf dem Stundenplan – und das Klassenzimmer wurde regelrecht zur Bühne.
Bas Böttcher ist ein deutscher Spoken-Word-Künstler und Lyriker, der als einer der Pioniere der Poetry-Slam-Szene im deutschsprachigen Raum gilt. Seit den 1990er-Jahren prägt er die moderne Performance-Lyrik mit rhythmischen, pointierten Texten, und neben Auftritten weltweit engagiert er sich auch für die Vermittlung von Slam-Poetry in Schulen und Museen. Die Schülerinnen und Schüler der LES wussten zunächst nicht recht, was sie erwartet. Entsprechend war die Atmosphäre am frühen Morgen zunächst ungewöhnlich aufmerksam und neugierig. Schnell merkten aber alle: Hier geht es nicht nur ums stumpfe Zuhören, man ist selbst gefragt. Im Zentrum des Besuchs von Bas Böttcher stand nämlich nicht nur das Erzählen, sondern vor allem das gemeinsame Erleben.
In kleinen Übungen animierte er die Schülerinnen und Schüler dazu, selbst kreativ zu werden. Wörter wurden gedreht, gereimt, zerlegt und neu zusammengesetzt. Dabei ließ sich Böttcher auch von dem inspirieren, was er gerade sah, etwa Passanten vor dem Fenster oder die Gedichte, die die angehenden Abiturienten im Vorfeld seines Besuchs verfasst und auf Pinnwänden ausgestellt hatten. Schnell füllte sich auf diese Weise der Raum mit spontanen Gedanken, überraschenden Reimen und ersten poetischen Versuchen. Zwischendurch erzählte der Autor, angeregt durch Fragen der Gymnasialschüler, immer wieder etwas aus seinem Leben.
Ein besonderes Erlebnis war es, als Böttcher einige seiner eigenen Texte vortrug – mal humorvoll, mal nachdenklich, immer eindringlich. Die Mischung aus Sprachwitz, Rhythmusgefühl und inhaltlicher Tiefe beeindruckte sichtlich. Seine Performance zeigte, dass Lyrik nicht angestaubt sein muss, sondern lebendig, laut und voller Energie sein kann.
Am Ende des Besuchs zeigten sich die organisierenden Lehrkräfte Barbara Becker-Hausmann und Marcel Lauterbach sehr zufrieden: „Als sich Mitte September spontan die Möglichkeit bot, Bas Böttcher für einen Besuch an die LES zu holen, habe ich gleich zugeschlagen. Ich bin sehr froh, dass sich der Förderverein der LES sofort bereit erklärt hat, uns dies zu ermöglichen“, berichtet Becker-Hausmann. Auch der Autor betonte im Anschluss, wie wichtig es ihm sei, Schülern Gedichte abseits der grauen Theorie zu zeigen. Und nicht zuletzt waren die Schülerinnen und Schüler nach dem Besuch von Böttcher tief beeindruckt. So habe man nie gedacht, dass man Sprache so verwenden könne: „Vieles davon, was Herr Böttcher gesagt hat, wäre mir niemals aufgefallen, nun frage ich mich aber, wie ich das jemals übersehen beziehungsweise überhören konnte“, berichtet Angelos Regehr, Schüler der Stufe 12 am Gymnasium, im Anschluss.
Am Ende des Vortrags war klar: Sprache kann mehr, als nur informieren – sie kann berühren, verbinden und überraschen. Der Besuch von Bas Böttcher war nicht nur eine Begegnung mit einem Künstler, sondern mit der Kraft der Sprache selbst.
