Larischa Nieberding kämpft sich zurück, findet ihren Platz und entdeckt, was in ihr steckt. Die Ausbildung im BBW und an der BBS Heinrich-Haus gibt ihr Halt. Heute steht sie im Beruf und baut sich ein eigenes Leben auf.
Am frühen Nachmittag sitzt Larischa Nieberding in ihrem Büro in Mülhofen. Die Kaffeemaschine surrt im Hintergrund, Bürohund Einstein trottet an ihrem Stuhl vorbei. Vor ihr liegt ein Abnahmeordner, daneben blinkt das Postfach mit neuen Anfragen. Die 25-Jährige arbeitet konzentriert, aber man spürt, dass ihr dieser Platz etwas bedeutet. Vollzeit, Verantwortung, ein eigenes Einkommen – Schritte, die sie lange nicht für möglich hielt.
Larischa Nieberding ist in der Region aufgewachsen. Ihr Weg ins Berufsleben war kein gerader Einstieg nach der Schule, sondern ein vorsichtiges Herantasten. Nach der Realschule in Andernach probiert sie Praktika, beginnt zwei Ausbildungen. Beide Male merkt sie, dass sie den Druck nicht aushält. „Ich habe mich selbst nicht wiedererkannt.“ Erst Klinikaufenthalte bringen Klarheit: Sie hat eine psychische Erkrankung.
Durch die Unterstützung von Therapeuten und Ärzten lässt sich damit dennoch gut leben. Der Wendepunkt beginnt unspektakulär: eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme, ein Praktikum im BBW Neuwied, zwei Wochen, die zum ersten Mal Halt geben. „Ich mochte die Struktur. Die Aufgaben haben mir sofort gelegen.“ Vom Stop-and-Go zur klaren Richtung
Vom Stop-and-Go zur klaren Richtung
Im BBW Heinrich-Haus findet sie einen Rahmen, der funktioniert. Kleine Gruppen. Menschen, die sie kennen. Eine Schule, die ihr guttut. „Ich habe mich dort das erste Mal wirklich wohlgefühlt“, sagt sie. „Die Lehrer haben mich ernst genommen. Ich war nicht nur irgendeine Schülerin.“ Ihr Klassenlehrer Christian Efferoth erinnert sich: „Larischa war ruhig, aber immer vorbereitet. Und sie blieb dran, auch wenn es schwierig wurde.“ Auch ihre Ausbilderin Isabell Speicher beschreibt Larischa ähnlich: „Larischa hat wirklich eine ganz tolle Entwicklung gemacht. Sie ist eine Kämpferin. Wie heißt es so schön: Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen.“
Unterstützung, die wirkt
Im ersten Ausbildungsjahr fällt Larischa Nieberding wegen eines Klinikaufenthalts wochenlang aus. Als sie zurückkommt, läuft der Einstieg selbstverständlich. „Da wusste ich, dass ich dort nicht einfach durchrutsche. Man bleibt im Blick.“ Obwohl seit ihrem Abschluss schon ein halbes Jahr vergangen ist, sagt sie: „Ich vermisse das BBW. Vor allem die Schule. Die Lehrer. Meine Ausbilder. Die Atmosphäre.
Start in ein eigenes Leben
Im dritten Ausbildungsjahr kommt das Praktikum bei der VIVA Solar Energietechnik GmbH – ein kleiner Betrieb, in dem jeder jeden kennt. Larischa arbeitet sich schnell ein, kann sich vorstellen, auch nach der Ausbildung hier zu arbeiten. Auch ihre Vorgesetzte möchte, dass die junge Frau wiederkommt. Nur die Zusage lässt etwas auf sich warten. „Ich habe dann nachgefragt. Das hätte ich früher nie gemacht, weil ich es mich einfach nicht getraut hätte.“ Am Ende bekommt sie die Stelle. Heute arbeitet sie Vollzeit im Vertrieb des Bendorfer Unternehmens, pflegt Kundenanfragen ein, erstellt Abnahmeordner und unterstützt das Team, wo sie gebraucht wird. Und sie bekommt die Unterstützung zurück, die sie braucht und ist ihren Kollegen dafür sehr dankbar. „Ich bleibe ruhig und zuverlässig, auch wenn es hektisch wird“, sagt Larischa.
Eigenschaften, die auch während ihrer Ausbildung immer wieder zutage traten und die die junge Frau ausmachen. Neben dem Job richtet sie ihre neue Wohnung in Bendorf-Sayn ein. Ein kurzer Arbeitsweg, ein eigenes Zuhause, Ruhe. „Es tut gut, abends heimzukommen und zu merken: Das ist mein Reich, mein Rückzugsort.“ Trotzdem trifft sie sich gern mit Freunden oder schaut zum Runterkommen eine Serie.
Wenn Larischa Nieberding an die Ausbildungszeit zurückdenkt, bleibt nur eines: Dankbarkeit. „Ohne das BBW wäre ich jetzt nicht hier. Dort habe ich gelernt, mich selbst ernstzunehmen. Ich hätte früher nie gedacht, dass ich mal so leben würde“, sagt sie. „Ich bin angekommen.“
Wissenshelden findet man im eigenen Haus
Studientag an der BBS Heinrich Haus inspiriert und überrascht
Das Kollegium der BBS konnte während des Studientages erleben, wie interne Experten mit Humor und Know-how den Berufsalltag in ein Abenteuer aus Innovation und Entdeckung verwandelten.
Am Studientag des Kollegiums der Berufsbildenden Schule stand dieses Mal alles im Zeichen des „Wir unter uns“ – und es hat sich gelohnt. Statt externer Referenten traten die eigenen Kollegen als Experten auf. Schnell stellte sich heraus, dass man in den eigenen Reihen so manches wahre Genie in Sachen „Künstliche Intelligenz, innovative Pädagogen und kreative Ideenlieferanten findet. Es war beeindruckend zu sehen, wie jeder seine Spezialgebiete humorvoll und mit einer gehörigen Portion Leidenschaft präsentierte.
Die Workshops reichten von zukunftsweisenden KI-Anwendungen über spielerische Unterrichtsansätze bis hin zu brandneuen Lernkonzepten – stets unterhaltsam und mitreißend vorgetragen. Direkt im Anschluss gab es die Möglichkeit, das neu erworbene Wissen anzuwenden. Manchmal steckt der beste Experte also direkt um die Ecke beziehungsweise sitzt mit einem in der Pause am Lehrertisch.
Spannende Exkursionen rundeten das Programm am Nachmittag ab. Ob im Keramikmuseum in Höhr-Grenzhausen, auf dem ehemaligen Rasselstein-Gelände in Neuwied, in Monrepos oder in der Bibliothek in Maria Laach – die Besichtigungen boten nicht nur interessante Einblicke, sondern auch die perfekte Gelegenheit, Orte zu erkunden, die Lehrerinnen und Lehrer den eigenen Schülerinnen und Schülern mit Begeisterung näherbringen möchten. Insgesamt war der Tag ein voller Erfolg, der von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit überwältigend positivem Feedback quittiert wurde.
