Das traditionsreiche Bauunternehmen Willi Iselborn GmbH & Co.KG kann am 1. April sein 75-jähriges Bestehen feiern. In konjunkturell schwierigen Zeiten für die Bauwirtschaft zeigt dieses Jubiläum, dass es dem Familienunternehmen seit seiner Gründung gelungen ist, sich trotz ständig veränderter Rahmenbedingungen am Markt zu behaupten, indem es sein Leistungsspektrum stetig weiterentwickelt hat.
Wie geht es der Firma Iselborn im 75. Jahr ihres Bestehens?
„Der Wettkampf ist deutlich härter geworden. Wir sind glücklich, dass wir in der Vergangenheit stets Vollbeschäftigung hatten und keine Kurzarbeit anmelden mussten. Die Preissituation auf dem Markt ist schwierig geworden: Wir müssen sehr knapp kalkulieren“, berichtet Geschäftsführer Christian Hamburger (48), dem Anfang 2023 die alleinige Geschäftsführung anvertraut wurde.
Was hat sich bei den öffentlichen Aufträgen verändert?
„Da hat es einen Wandel gegeben, weil viele Firmen, die sich früher auf private Bauvorhaben fokussiert haben, inzwischen auch um Aufträge für öffentliche Bauvorhaben bemühen. Im Wettbewerb hilft uns unsere Flexibilität: Wir können verschiedene Bereiche abdecken, beispielsweise im Hochbau, wo wir vom Wohnungsbau über den Gewerbebau bis zum Ingenieurbau alles abdecken können. Wir haben jüngst auch eine Brücke zwischen Rhaunen und Krummenau gebaut, da wir flexibel sind und unser Personal in verschiedenen Sparten einsetzen können. Wenn der Wohnungsbau wieder anzieht, wird sich die angespannte Marktlage wieder entzerren“, ist Hamburger überzeugt. Die Sanierung oder der Ersatzbau von Brücken sei ein Arbeitsgebiet, das in den nächsten Jahrzehnten an Bedeutung gewinnen werde. Deshalb habe man auch einige Mitarbeiter im Bereich Betonsanierung fortgebildet. „Wir hoffen, dass wir in diesem Markt noch stärker Fuß fassen werden“, sagt der Geschäftsführer.



Aber auch im Bereich Geschosswohnungsbau ist Iselborn sehr aktiv: „Allein für einen Auftraggeber haben wir 500 Wohnungen gebaut. Außerdem haben wir diverse eigene Wohnbauprojekte realisiert“, unterstreicht Peter Iselborn ein weiteres Standbein des Unternehmens. Dieses Marktsegment sei allerdings in den letzten Jahren etwas eingebrochen, nachdem die Zinsen und die Baupreise deutlich gestiegen sind. Inzwischen seien die Banken bei der Finanzierung solcher Projekte zurückhaltend. „Früher liefen solche Geschäfte per Zuruf. Wir haben den für ein Projekt zur Verfügung gestellten Rahmen nie ausgenutzt“, erinnert sich Iselborn, der seit 55 Jahren für das Unternehmen arbeitet.
Zum Rückgang des Wohnungsbaus nennt Hamburger einige Zahlen: „2022 haben wir in diesem Bereich knapp 60 Prozent unserer Auftragseingänge erzielt, aber 2025 bescherte der Wohnungsbau weniger als 10 Prozent des Umsatzes. In diesem Jahr zieht es ein wenig an: Der eine oder andere, der sein Projekt auf Eis gelegt hatte, zieht es jetzt wieder aus der Schublade.“ Dies liege an der Stabilisierung des Zinsmarktes. Die Banken gingen davon aus, dass sich die Zinsen für Baukredite allenfalls moderat verändern werden. „Die Banken sind bei der Vergabe von Darlehen viel vorsichtiger geworden“, bestätigt der Geschäftsführer. Besonders von Bauträgern werde eine höhere Vorverkaufsquote und mehr Eigenkapital verlangt.
90 Prozent ihres Umsatzes erzielt die Firma Iselborn daher aktuell im Gewerbebau und öffentlichen Bau. Die Auftragsvergabe im öffentlichen Bereich erfolge nach Ausschreibungen, bei denen ja stets der günstigste Bieter zum Zuge komme. „Aber der Günstigste muss nicht unbedingt auch der Beste sein“, gibt Hamburger zu bedenken. „Bei der Größenordnung, in der wir im Rohbau unterwegs sind, also bis zu sieben oder acht Millionen Euro pro Einzelauftrag, beteiligen sich fast immer nur deutsche Wettbewerber“, relativiert er das Thema „europaweite Ausschreibung“. Große Projekte werden mitunter zusammen mit bewährten Nachunternehmern realisiert.
Eines der größten Projekte in den vergangenen Jahren wird derzeit in Kaiserslautern realisiert: „Dort errichten wir für die Fraunhofer-Gesellschaft die Rohbauten zweier großer Forschungsgebäude. Im Alzeyer Gewerbegebiet wird durch uns gerade schlüsselfertig ein komplexer Gewerbebau erweitert“, berichtet Hamburger. Allein der Fraunhofer-Auftrag liege über sechs Millionen Euro netto, ergänzte Peter Iselborn. „Der 2023 von uns errichtete Rohbau der Schillerschule in Bürstadt hatte eine ähnliche Größenordnung“, erinnert Julia Iselborn. Aktuell arbeitet das Unternehmen auch an der baulichen Erweiterung des Krankenhauses in Kirchheimbolanden.
Wie fördert das Unternehmen seine Diversifikation?
„In den letzten Jahren haben wir unsere Aktivitäten im Bereich des schlüsselfertigen Bauens ausgeweitet. Immer mehr Projekte im kommunalen Bereich dürfen inzwischen schlüsselfertig ausgeschrieben werden. Wir haben für zwei interessante schlüsselfertige Projekte den Zuschlag erhalten. Die Kunden können alles aus einer Hand bekommen, von der Planung über den Rohbau bis zum Innenausbau. Nur das Inventar muss noch mitgebracht werden“, sagt Hamburger.
Zum Themenfeld Bürokratie und Reglementierung erklärt Bauunternehmer Iselborn: „Heute ist es ja so in allen Bereichen, dass keiner mehr eine Entscheidung fällen möchte, weil er befürchtet, dafür belangt werden zu können. Früher beurteilte ein Statiker den Untergrund, indem er den Boden in die Hand nahm und intuitiv bewertete, welche Tragfähigkeit diesem zuzutrauen wäre. Heute äußere sich kein Statiker mehr, ohne sich auf die Aussagen eines Bodengutachtens beziehen zu können. Und wenn durch den Bodengutachter eine Belastung des Erdreichs mit Verunreinigungen festgestellt werde, lasse der Bauherr mitunter ein zweites Gutachten erstellen, um hohe Deponiekosten zu umgehen. Am Ende könne es sogar sein dass ein Bauherr darauf verzichte, sein Projekt zu realisieren.
Was muss ein Bauunternehmen leisten, um über drei Generationen erfolgreich zu sein und im Geschäft zu bleiben?
„Da gehört eine gewisse Kontinuität dazu. Das Unternehmen sollte sich Schritt für Schritt weiterentwickeln. Ein kleiner Betrieb darf nicht in Größenwahn verfallen und Risiken eingehen, die ihn überfordern könnten. Man muss genau überlegen, welche Aufträge man annehmen und auch erfüllen kann. Mein Vater hat das Unternehmen 1951 mit wenig Personal gegründet: Anfangs hat er sich auf Reparaturen und den Bau von Einfamilienhäusern beschränkt. Vor 55 Jahren bin ich dann ins Geschäft eingetreten, und dadurch kam neuer Schwung auf, mit dem man sich auch an neue Risiken und andere Bauvorhaben herangetraut hat. Aber wir haben uns stets auf überschaubare Aufträge konzentriert.“


Was tut die Firma Iselborn gegen den wachsenden Fachkräftemangel?
„Der Fachkräftemangel schlägt in allen Bereichen durch, sowohl im Büro als auch auf den Baustellen. Wir versuchen dem durch unser tolles Arbeitsklima im Betrieb zu begegnen. Dadurch haben wir weniger Probleme als viele Mitbewerber.“ Julia Iselborn ergänzt: „Wir bilden schon seit vielen Jahren Maurer und Stahlbetonbauer aus und haben ständig 15 Azubis – verteilt auf drei Jahrgänge. Wir unterstützen die Azubis auch bei Problemen in schulischer Hinsicht. Fast alle werden danach übernommen.
Viele unserer derzeit 80 gewerblichen Mitarbeiter haben ihre Berufe bei uns erlernt und sind wie die 30 Angestellten in den Büros schon seit Jahrzehnten bei Iselborn. Durch den guten Ruf als Arbeitgeber bekommen wir auch viele Initiativ-Bewerbungen.“
Peter Iselborn ergänzt: „Wir bieten viele Aufstiegschancen und fördern auch die Weiterbildung motivierter Mitarbeiter.“ Geschäftsführer Hamburger konstatiert respektvoll: „Unsere Belegschaft ist das größte Kapital, das unser Unternehmen hat.“
Das Gespräch führte Norbert Krupp
